Ich wandere aus, war eine Ankündigung, die nicht nur mir selbst Herzrasen ausgelöst hat, sondern auch meiner Familie und meinen Freunden. Ich habe viele verschiedene Reaktionen erhalten, von offenen Mäulern und grossen Augen, über freudiges Lachen und Glückwünsche, bis zu enttäuschten und traurigen Nachrichten. Und bei vielen meiner Freunde sind dann dieselben Fragen aufgetaucht. Wohin? Warum? Wie lange? Job? Und diese habe ich dann in etwa so beantwortet:

 

Wohin geht ihr? Nach Portugal.

Warum? Keine Ahnung! Um ehrlich zu sein, war ich selbst noch gar nie dort! Aber mein Freund schwärmt so sehr von diesem Land, von den Leuten und dass die Zeit dort unten viel langsamer vergeht. Das Leben dort unten soll auch unglaublich günstig sein. Wir haben uns ein Haus im Internet angesehen, das nur 240 Euro im Monat kostet… könnt ihr das glauben? In der Schweiz bezahlte ich für meine 1-Zimmer Wohnung 860 Franken im Monat!

Zudem findet man fast überall jemanden, der etwas Englisch spricht, so dass wir zu Beginn nicht völlig aufgeschmissen sind. (Ja, wir müssen portugiesisch lernen…) Und was mir persönlich ganz gut passt ist, dass wir in den Süden ziehen. Ich liebe die Sonne und Wärme. Ich hab den Winter nie sonderlich gemocht, ausser wenn sehr viele Faktoren gestimmt haben. Frischer Knirsch-Schnee, alles weiss, kein Matsch am Boden, Sonniger Tag, nicht zu kalt. Und SO war es sehr, sehr selten in der Schweiz. Ich denke das sind genug Gründe, wieso wir nach Portugal auswandern. 🙂

Aber warum? Warum auswandern? Wow, diese Frage ist schon etwas schwieriger zu beantworten. Oder besser gesagt, schwieriger es den Leuten plausibel rüber zu bringen. Vor allem weil ich einen Job hatte, der mir gut gefiel. Ich hatte ein mega tolles Team und Arbeitgeber. Zudem hatte ich erst im März den Nachdiplomkurs «Typografie & Print» an der Zürcher Hochschule der Künste begonnen. Und im April bin ich in meine eigene Wohnung gezogen. Nichts schien darauf hinzudeuten, dass ich all dies hinschmeissen würde. Na gut, jetzt bin ich euch wohl die ganze Story schuldig…

Ich hab schon als Kind immer gesagt, dass ich irgendwann mal auswandern werde. Bisher waren es immer nur Worte und ich hatte keinen Grund tatsächlich zu gehen, ausser dass ich den Winter nicht sonderlich mochte. Ich war schon immer gerne unterwegs, in den Ferien, in anderen Ländern. Eines Tages begann ich mich für die Indische Kultur zu interessieren und ich war so fasziniert, dass ich unbedingt mal dort hin wollte, vielleicht auch alleine. Um mich für die Reise nach Indien vorzubereiten, sagte ich mir, dass ich wenigstens alleine nach Marokko reisen müsste. Und das tat ich auch. Im November 2016, hab ich mir 2 Wochen Ferien genommen. Meine Schwester kam die erste Woche mit mir nach Marokko, danach reiste ich alleine von Marrakech über Fès, Chefchaouen, nach Tanger. Zu der Zeit ist die Faszination von der Indischen Kultur übergeschwappt in die arabische Kultur. Ich schwärme noch immer von der Sprache, der Schrift, dem Essen, den Farben…

Auf jeden Fall hab ich auf dieser Reise meinen Freund Aaron (englische Aussprache) kennengelernt. Und da hat eigentlich alles begonnen, sich in meinem Leben zu verändern. Aaron, kam mich im Januar 2017 in die Schweiz besuchen, und aus dem Besuch wurde eine Beziehung. Wir redeten oft über unsere Träume und ich erwähnte, dass ich mich gerne selbständig machen würde. Und schwuppdiwupp gründeten wir kurzerhand und ganz inoffiziell unser eigenes Geschäft mit dem Fokus Film & Design. (Wer schauen will: www.aclcreativestudio.com) Wir redeten darüber, vielleicht einmal auszuwandern. Dass es aber schon so bald sein würde, hätte ich nicht gedacht.

Nach und nach stapelten sich bei mir aber die Gründe, doch schon bald auszuwandern. Einerseits wurde es mir mit der Arbeit, dem Studium und unserem Geschäft nebenbei zu viel und ich wollte doch noch mehr von der Welt sehen. Andererseits gefiel es Aaron nicht sonderlich gut in der Schweiz; es war ihm zu teuer und er schwärmte von seiner Freiheit, die er bisher gelebt hatte. Und irgendwann sagte ich mir: «Wenn ich’s jetzt nicht ausprobiere, werd ich’s wohl nie machen.» Damit hab ich einerseits das Auswandern an sich gemeint, aber auch den Sprung in die Selbständigkeit. Unser Geschäft wird nicht wachsen, wenn ich keine Zeit habe, darin zu investieren. Und wenn’s jetzt nicht klappen sollte, so kann ich jederzeit zurück kommen und wieder einen Job suchen.

Hier habe ich Aaron kennengelernt (ganz rechts im roten Djellaba). Heute sieht er etwas gesitteter aus 😉

Wie lange? Mal schauen. Es gibt weder ein Rückkehrdatum noch ein Rückkehrticket. Wir wissen auch nicht, ob wir ewig in Portugal bleiben wollen. Wir schauen mal, wies uns gefällt, wies uns geht und alles andere kommt nach und nach.

Hast du schon einen Job? Ich lasse mich nicht anstellen. Ich werde meine Energie in unser Geschäft ACL Creative Studio und in meine eigenen Projekte investieren. Wir geben uns ein Jahr Zeit um das Geschäft ins Rollen zu bringen. Wenn nach einem Jahr noch keine Anzeichen sind, dass es funktioniert, dann müssen wir uns was neues überlegen. Und ja, wir haben Geld auf der Seite, sodass wir nicht gleich verhungern müssen 😉

Das wars in etwa. Gibts noch Fragen? Wenn ja, schreib mir doch einfach, so kann ich den Post vielleicht noch ergänzen/erweitern.

 

Alles Liebe,